Ein tolles Wort: Prokrastidingsda

Ich prokrastiniere. Sprechen Sie das mal: „Ich proka…

prokratz…

po…kratz…“ – Äh, nun ja, auch so kann man sich beschäftigen, wenn man gerade etwas vor sich herschiebt. Doch zum Glück kommt der Begriff „prokrastinieren“ nicht von diesem uneleganten Zeitvertreib, sondern aus dem Englischen (sagt da noch jemand was gegen Anglizismen?). Es ist das derzeit angesagte Fremdwort für die leidige Angewohnheit, Dinge aufzuschieben. Wenn man es auszusprechen schafft, klingt „prokrastinieren“ deutlich cooler als „Ich trödel rum“, oder „Ich drücke mich mal wieder“.

Es ist ein tolles Wort, noch toller, als man erst denkt, und zwar gerade weil es so schwer auszusprechen ist. Wenn es nämlich dann mal jemand fehlerfrei über die Lippen bringt –

„Was machst du grade?“ – „Ich prokrastiniere“

– dann klingt das doch sowas von souverän und gekonnt. Da hat jemand sein Leben im Griff, zweifellos.

Die Sache mit den falschen Wörtern

„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen“, schrieb Mark Twain. Das war ein toller Tipp!

Falsche Wörter erkennen wir daran, dass sie überflüssig sind. Streichen wir sie, wird der Satz schöner und klarer, ohne sich inhaltlich zu verändern.

Zum Beispiel so ein Satz:

Die erforderlichen strukturellen und organisatorischen Kapazitäten des Projekts hätten bei weitem die vorhandenen Voraussetzungen überschritten.

Wenn wir da alle überflüssigen Wörter weglassen, dann sieht der Satz so aus:

Das Projekt war zu groß.

Schön, oder?

Leider wird  Schönheit oft nicht erkannt. „So kann man das doch nicht schreiben!“ entsetzt sich der Vorgesetzte, wenn er die schlanke Fassung seines Ursprungssatzes liest.

Huch?

„Also, das klingt überhaupt nicht professionell. Ich zeige Ihnen mal, wie man das macht!“, sagt der Chef und schreibt alle falschen Wörter wieder hin.

Aber während er noch den Kopf schüttelt über diese Mitarbeiter, mit denen er geschlagen ist, pocht in seinem Inneren sein gutes, warmes Herz. Da muss ich doch helfen, denkt er, und beschließt, seinen Leuten mal wieder eine Weiterbildung zu spendieren. Einen Schreibkurs.

Und was lernen seine Leute da? Richtig: Lasst die falschen Wörter weg.

Nur ganz kurz

„Nur mal kurz, eigentlich hab ich ja grad gar keine Zeit, mich damit zu befassen…“ Lange Zeit glaubte ich: So leitet ein Genie seine Diskussionsbeiträge ein. Obwohl es so viel anderes zu tun hat, schafft es noch, seine Gedanken zu meinem Problem zu äußern. Und überhaupt einen Gedanken dazu zu fassen!, dachte ich, tief beeindruckt. Da war ich noch sehr jung.

Später fand ich es einfach nett, wenn sich jemand trotz Zeitnot noch die Mühe machte, etwas zu einem anderen Thema beizusteuern. Jetzt war ich schon alt genug, um zu bemerken, dass die schnell erzeugten Gedankenblitze hinsichtlich ihres geistigen Gehalts zuweilen etwas zu wünschen ließen. Doch übte ich mich in Toleranz: Will man etwa auf die Goldwaage legen, was jemand zwischen Tür und Angel von sich gibt?

Aktuell befinde ich mich in einer Phase voller Kritikfreude. Sie beeinträchtigt leider meine Toleranz. Dafür habe ich nun unterhalb des fraglichen Satzes eine zweite Sinnebene entdeckt. Da lese ich: „Hallo, hab grad gar keine Zeit, deshalb kann ich auch nur unüberlegte Schnellschüsse von mir geben. Nagelt mich also nicht fest auf den Schwachsinn, den ich grade absondere. Bin eigentlich viel schlauer, ganz bestimmt! Verplane mich aber vorsichtshalber immer im Übermaß, damit ich überall nur Schnellschüsse von mir zu geben brauche und man nicht überprüfen kann, ob ich mich überhaupt mit irgendwas richtig auskenne.“

Was werde ich zu diesem Satz denken, wenn mich eines Tages die Altersmilde überfällt? Habe ich dann noch Lust, etwas zu denken? – Hm, leider kann ich dazu jetzt nicht mehr schreiben. Hab nämlich eigentlich grade gar keine Zeit, mich damit zu befassen…