Die Sache mit dem t

Haushalt macht ja keiner gern, alle sind angeblich so cool in puncto Unordnung und Dreck, aber wenn das stimmen würde, hätte mich doch irgendjemand mal warnen können, dass man eine Tastatur besser nicht mit dem Staubsauger reinigt? Ahnungslos jedenfalls saug ich über die Tasten, und schwupp, sind das r und das t im Rohr verschwunden und müssen mühsam und eklig aus dem Beutel gefischt werden.

Das r lässt sich nach Säuberung mühelos wieder aufstecken, aber das t will einfach nicht mehr einrasten. Es liegt nun lose auf der Tastatur, was beim Tippen natürlich nervt. Da muss ich mich schnell drum kümmern, aber was soll ich tun, sonntags? Schreib ich also mit abbem t, lege die Taste gleich beiseite, bevor sie sich noch unter der 5 oder dem g verklemmt. Auf den bloßen Gummihubbel drücken geht auch, ich erwarte nichtsdestotrotz arbeitstempo- und nervenmäßig eine Katastrophe.

Doch die bleibt aus. Das t ist gar kein so häufiger Buchstabe wie befürchtet! Klar, es kommt hier und da schon vor, aber erstaunlich viele Wörter schreiben sich ohne t: und oder auch um in der die das ein eine kommen gehen sagen spielen… Vielleicht kommt das t deshalb nicht so oft zum Zuge, weil der Infinitiv im Deutschen auf –en endet und der Nominalstil meist mit der Endsilbe –ung gebildet wird ? Und: Wen juckt’s?

Naja, die Zehnfingerschreiber natürlich. Das t befindet sich sozusagen auf der Pole-Position beim Zehnfingerschreiben, es wird vom linken Zeigefinger bedient, und in optimalem Winkel, also nahezu mühelos. Da wird man wohl mal fragen dürfen, ob das gerechtfertigt ist, wenn man durch einen unglücklichen Zufall darauf aufmerksam wird. Warum ist da nicht das a, das vom linken kleinen Finger getippt wird? Vokale kommen häufig vor. Das o ist noch schlimmer, man muss mit dem ungelenkigen Ringfinger in die obere Zeile tippen. Also, wenn mal Zeit ist, vielleicht erfinde ich dann eine neue Tastatur. Nein, erst kleb ich das t wieder an. Also, wenn mal Zeit ist, es geht ja auch so, besser als gedacht.

Neulich im Forum

„Kann mir jemand sagen, wie das mit der Umsatzsteuer ist, wenn ich Belgien arbeite?“, fragte neulich im Forum ein Kollege.

Puh, schwierig. Ich legte meine Stirn in Falten, um die Hirntätigkeit anzuregen. Der Wechsel des Gesichtsausdrucks soll sich ja auf die inneren Organe auswirken, habe ich mal gelesen. Demnach erzeugt beispielsweise ein Lächeln gute Laune.

Ich faltete noch mein Gesicht, da kam schon die erste Antwort.

Der User schrieb: „Bin grad auf dem Sprung zum Termin! Aber interessante Frage!“

In meinem Gehirn war noch alles still. Vorsichtig neigte ich den Kopf nach rechts, um etwas Reibung zu erzeugen.

Da, die zweite Antwort: „Ich hab mal in Frankreich gearbeitet, da gibt es auch Umsatzsteuer“, schrieb die Userin. „Leider ist mir entfallen, wie das damals war. Ich kann aber gerne nochmal nachschauen. Nur ist es momentan leider etwas ungünstig, ich sitze an einem Angebotstext, der bis morgen raus muss.“

Ich neigte meinen Kopf nach links. Belgien, hm…

„Belgien kenn ich gut, da hab ich schonmal Urlaub gemacht. Zu dem Umsatzsteuerproblem könnte ich dir einen Buchtipp raussuchen. Soll ich? Diese Woche wird das allerdings nichts mehr, ich fliege gleich nach Basel“, schrieb einer.

Ich war lange nirgends mehr hingeflogen. Im Forum hagelte es jetzt Antworten.

„Hey, wie geht’s? Wann warst Du denn in Belgien? Zur Umsatzsteuer kann ich dir leider gar nichts sagen, davon hab ich keine Ahnung. Aber Mensch, das ist ja total schön, mal wieder was von Dir zu lesen! Gehe jetzt duschen.“

„Hallo, Du fragst genau das, was ich letztes Jahr auch klären musste. Ich schreibe zur Zeit ein Buch über die Spanischkenntnisse der Töchter von Züchtern mongolischer Rennmäuse und hab total wenig Zeit, aber das wird nächsten Monat fertig, und dann melde ich mich nochmal ganz ausführlich, ja? Bis dann!“

„Die Matheaufgaben von meinem Sohn liegen noch auf meinem Schreibtisch, außerdem muss ich den Geburtstagssprengsatz für meine Schwiegermutter basteln. Und mein Mann hat Hunger! Stress! Deshalb nur ein schneller Tipp: Frag doch mal jemanden, der sich auskennt!“

„Du, tut mir leid, bei mir ist grad Rauch auf dem Dachboden, die Kinder spielen da oben, gleich klingelt die Feuerwehr, muss aufmachen. Aber deine Frage ist spannend. Ich lass die rein und melde mich wieder, ja?“

Belgien – jetzt fiel es mir wieder ein, da hatte ich mal einen Workshop geleitet, und mit der Umsatzsteuer war es gar nicht so schwierig gewesen. Hey, das konnte ich erklären! Doch dann las ich die nächste Antwort:

„Belgien und Umsatzsteuer! Können wir für solche Themen bitte endlich ein Unterforum anlegen? Wann bitte soll ich denn hier die ganzen Fragen und Antworten lesen? Leute, ich kann es mir nicht leisten, mich den ganzen Tag durch so eine Postingflut durchzuwühlen. Ich muss arbeiten! Ich habe zu tun!“

Arbeiten! Zu tun haben! Keine Zeit! Da war ich ja gerade noch an der Totalblamage vorbeigeschrammt. Ich schämte mich in Grund und Boden ob meiner peinlichen Idee, die Umsatzsteuerfrage einfach zu beantworten, und loggte mich ganz schnell aus.

(Erstmals veröffentlicht auf texttreff.de)

Chinesisch kann ich längst

Lange Zeit habe ich mich unterschätzt. Ahnte nicht, wie genial ich bin. Dabei kann ich, was andere Menschen hierzulande erst mühsam lernen müssen: Chinesisch.

Angeblich ist das ja eine derart schwierige Sprache, dass man sie bereits im Kindesalter lernen muss, wenn die grauen Zellen noch Reibung haben. Es soll schon Kurse für Dreijährige geben. Stimmt das eigentlich? Als Augenzeugin kann ich das nicht bestätigen. Wohl aber kenne ich Oberschulen, die Chinesisch in ihrem Lehrangebot präsentieren.

Während sich nun also irgendwelche Schüler mit der zukunftsträchtigen Fremdsprache abplagen müssen, ist mir die Sache einfach zugeflogen. Ja, ich kann Chinesisch! Fast hätte ich das gar nicht gemerkt. Ich sprach nämlich Chinesisch, ohne es zu wissen. Klingt komisch, geht aber. Das Licht ging mir auf, weil sich Situationen häuften, in denen ich etwas sagte, und einfach keine Reaktion kam. Überhaupt keine. Erst glaubte ich an einen Hörschaden meines Kommunikationspartners. Ich zog auch die berüchtigten Aufmerksamkeitsdefizite als Ursache für die Reaktionslosigkeit in Betracht. Doch dann dämmerte es mir: Was ich für deutsche Sätze hielt, ist in Wirklichkeit reinstes Chinesisch. Es sind nämlich immer die gleichen Sätze, die nicht funktionieren, während alles mögliche andere vollkommen störungsfrei wahrgenommen wird.

Beispiele gefällig?

„Geh bitte Zähneputzen.“

„Räum bitte endlich deine Socken vom Tisch.“

„Mach jetzt deine Hausaufgaben.“

Nicht ein Wimpernzucken hat mein Kommunikationspartner für diese Sätze übrig! Probieren Sie sie doch mal nachzusprechen. Es sind gar nicht so schreckliche Brecher für europäische Zungen, wie man vom Chinesischen immer behauptet. Vielleicht können Sie auch bald Chinesisch? Mein Kommunikationspartner, dessen Ignoranz ich die Entdeckung meines Sprachtalents verdanke, scheint jedenfalls inspiriert: Er macht inzwischen erste zaghafte eigene Versuche mit der neuen Sprache. Er sagt immer wieder:

„Gleich“. Oder auch „Ja gleich“.

Was das wohl heißt? Ich verstehe es nicht. Wie auch immer, das nächste Ziel ist wohl, dass mein Kommunikationspartner und ich Chinesisch nicht länger nur sprechen, sondern dass wir auch lernen, es zu verstehen.