Was für’s Herz: Nobelpreise

Alle Welt fiebert ja, wer wohl die Nobelpreise bekommt. Na gut, vielleicht nicht bei jedem Preis – zugegeben, bei Medizin oder Chemie sind wir eher überrascht: Was, schon wieder neue Preisträger? Ist schon wieder ein Jahr rum? Das sind halt auch die ersten beiden Preise, zum Wachrütteln sozusagen. Volle Aufmerksamkeit genießen dann aber der Literatur- und der Friedensnobelpreis, wahrscheinlich, weil sie später dran kommen.

Jedenfalls ist der Literaturnobelpreis ein echter Höhepunkt. Für die Fachwelt und die Patrioten, und für die Kulturwelt natürlich sowieso. Aber auch für das Laienpublikum! Da wetteifert nämlich das Sportlerherz mit dem Reporterherz, wer schneller schlägt.

Im Radio sagt der Moderator schon frühmorgens an, dass um 13 Uhr der Preisträger bekanntgegeben wird. Ab etwa 12.55 Uhr kommt kaum noch ein gerader Satz über die Lippen der Kulturredakteurin – zu ärgerlich aber auch, dass ihre Kultursendung immer fünf Minuten vor der vollen Stunde kommt, warum kann sie nicht mal fünf Minuten danach kommen, hrrrgl. Dann die Nachrichten! Punkt 13 Uhr! Der Nachrichtensprecher informiert direkt life: „Es liegt uns noch keine Eilmeldung vor!“ (Um 13 Uhr wird nämlich in Stockholm erst die Tür geöffnet, da ist noch nix gesprochen). Na gut. Also erstmal eine andere Meldung! Dann noch eine! Aber da kommt sie, die Eilmeldung: Heraus damit, sofort, Radiohörer wollen immer ganz aktuell informiert werden, bestimmt schalten sie schon unablässig zwischen dreißig Sendern hin und her, weil sie es nicht mehr erwarten können! Nicht auszudenken, wenn’s woanders schon zuerst zu hören wär; die aktuelle Meldung wird also mitten im Satz unterbrochen – für: Herta Müller!

Herta Müller.

Während das Reporterherz jubelnd über die Ziellinie taumelt, schlägt das Sportlerherz auf, und zwar den Boden. Herta Müller, eine tolle Wahl, ganz sicher. Bloß ist das schon wieder eine, die man nicht kennt! Aus sportlicher Sicht heißt das: wieder verloren! Wieder dieses miese Gefühl, eine dumpfbackige Bildungslusche zu sein, und wenn man mal was liest, dann ist es nie von einem Autor, der danach den Nobelpreis gewinnt! Menno.

Zum Glück gibt es am nächsten Tag den Friedensnobelpreis. Der dient nicht nur dem Welt- sondern erst recht dem inneren Frieden. Den Preisträger kennt nämlich wirklich jeder: Barack Obama. Deshalb gibt es auch so viel Gemecker – endlich können alle mal mitreden.